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Universitätsmusikdirektor Max Reger

„Er konnte zum Frühstück ein Dutzend Weißwürste verdrücken, und nach einem Konzert verblüffte er im Restaurant den Ober mit der Bestellung: „Bringen Sie mir zwei Stunden lang Wiener Schnitzel!“ Kaffee trank er „badewannenweise“, wie er selbst sagte, und täglich rauchte er an die zwanzig schwere Brasilzigarren… Unmäßigkeit war sein Markenzeichen in fast jeder Hinsicht – […]

„Er konnte zum Frühstück ein Dutzend Weißwürste verdrücken, und nach einem Konzert verblüffte er im Restaurant den Ober mit der Bestellung: „Bringen Sie mir zwei Stunden lang Wiener Schnitzel!“ Kaffee trank er „badewannenweise“, wie er selbst sagte, und täglich rauchte er an die zwanzig schwere Brasilzigarren… Unmäßigkeit war sein Markenzeichen in fast jeder Hinsicht – im Essen und Trinken, im Tabak- und Alkoholkonsum, in seinem derben Humor und in seiner Musik: Max Reger schrieb das längste Klavierkonzert, das längste Violinkonzert, er komponierte die verwickeltste chromatische Polyphonie“

Max Reger 1910. Postkarte, Max-Reger-Sammlung Weiden
Max Reger 1910. Postkarte, Max-Reger-Sammlung Weiden

„… dieser Tage saßen wir vergnügt beim Frühstück […], da erschien ein Bote von der Universität, mein Mann möge gleich zum Rektor kommen. Wolfrum erging sich natürlich in furchtbaren Vermutungen, was Reger wohl verbrochen haben könnte, um vor dieses Präsidium zu früher Stunde zitiert zu werden. Reger ließ sich eine Droschke kommen und fuhr ab. Nicht lange, so stand er hoch aufgerichtet in der Tür: ‚Merkt ihr mir nichts an?’ erscholl es. Der gute Philipp [Wolfrum …] sagte eine nicht allzu große Schmeichelei; ich aber sah wohl, daß meinen Mann eine innere Freude durchleuchtete. Plötzlich verbeugte er sich sehr tief und sagte: ‚Professor Reger erlaubt sich, sich vorzustellen!’“ (Reger, S. 73f)

Universitätsarchiv Leipzig.
Universitätsarchiv Leipzig.

So schildert Elsa Reger die Ernennung ihres Gatten zum königlich sächsischen Professor an der Universität Leipzig im November 1907. Im Februar desselben Jahres erst war Max Reger nach Leipzig berufen worden: als Universitätsmusikdirektor und Leiter des Männerchores zu St. Pauli mit einem festen Lehrauftrag als Leiter einer eigens für ihn geschaffenen „Meisterschulklasse für musikalische Komposition“ an der städtischen Einrichtung des Königlichen Konservatoriums.

Die Tätigkeiten an der Universität Leipzig dagegen waren nur von kurzer Dauer. Sie sicherten Reger zwar das, was er angestrebt hatte, nämlich eine solide finanzielle Sicherheit mit Aussicht auf Altersversorgung und erst recht mit der Verleihung des Professorentitels eine hohe soziale Stellung, erwiesen sich aber als mit seinem komplizierten und extremen Naturell als unvereinbar.

Problematisch gestaltete sich auch Regers Leitung der Universitäts-Sängerschaft zu St. Pauli. Nach einem ersten, gut verlaufenen Konzert mit Werken von Johannes Brahms (und Wagners „Meistersinger“-Ouvertüre) stießen die weiteren, anspruchsvollen Programmpläne Regers auf Widerstand, die durch persönliche Reibereien zusätzlich Mißstimmung hervorriefen. Nun waren die „Pauliner“ kein reiner Gesangverein mit künstlerischen Zielen, sondern eine studentische Vereinigung mit geselligen und auch politischen Ambitionen, die seit 1860 die Formen einer studentischen Korporation mit Chargierten mit Schlägern und Schärpen angenommen hatte. (Elsa Reger warf den Mitgliedern vor, dass sie es „richtiger fanden, zu fechten und zu kneipen, als zu den Proben zu kommen“ [Reger, S. 69]. 1919 definierte der „Paulus“ seine Ziele als die „Pflege des Gesanges und der Musik, die Pflege deutsch-vaterländischer unbedingte Satisfaktion“ [Kötzschke, S. 508]).

Max Reger war Universitätsmusikdirektor in den Jahren 1907/08  und gleichzeitig bis zum Ende seines Lebens Professor am Königlichen Konservatorium in Leipzig.