Leipziger Universitätskarzer

Einblick in den Leipziger Universitätskarzer Die Karzerräume der Leipziger Universität befanden sich im dritten Stock des alten Senatsgebäudes, das 1893 den Umbauplänen Arved Rossbachs für ein neues Universitätshauptgebäude weichen musste. Das »Carcer-Buch«, eine wichtige Quelle zum Karzerwesen, befindet sich in im Universitätsarchiv Leipzig. In sieben Spalten ist »Anfang und Ende« sowie »Dauer und Grad« der angetretenen […]

unikarzerEinblick in den Leipziger Universitätskarzer


Die Karzerräume der Leipziger Universität befanden sich im dritten Stock des alten Senatsgebäudes, das 1893 den Umbauplänen Arved Rossbachs für ein neues Universitätshauptgebäude weichen musste. Das »Carcer-Buch«, eine wichtige Quelle zum Karzerwesen, befindet sich in im Universitätsarchiv Leipzig. In sieben Spalten ist »Anfang und Ende« sowie »Dauer und Grad« der angetretenen Haftstrafe abzulesen, außerdem Namen, Studium und Geburtsort. Viel erfährt der Leser über das studentische Leben. Karzerhaft war keine Kerkerhaft oder Einzelhaft, zu Vorlesungen und Spaziergängen konnte der Raum verlassen werden.

Die Zeit im kargen Raum mit vergitterten Fenstern namens Karzer versuchten die Studenten natürlich so kreativ wie möglich zu verbringen: sie ritzten allerlei in Karzertische ein und schrieben ein 200-seitiges Heftchen mit dem Titel »Brummkäfer oder die Musen in carcere blae« voll. Gedichte für die Geliebte, spöttische Gesänge, aber auch Loblieder auf die Universität finden sich. Und in mehreren Fortsetzungsfolgen geschriebene Theaterstückpersiflagen laden zum Weiterschreiben ein. Karzerhaft wurde abgeschafft. An der Universität Leipzig wurde zuletzt 1934 der Jurastudent Walter Habel aus Zittau zu Karzerhaft verurteilt – er brauchte sie aber schon nicht mehr anzutreten.