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Goethes Lehrer | Schriftsteller und Philosoph, Professor Christian August Clodius

„Unter den Personen, welche sich Behrisch zu Zielscheiben seines Witzes erlesen hatte, stand gerade Clodius obenan; auch war es nicht schwer, ihm eine komische Seite abzugewinnen. Als eine kleine, etwas starke, gedrängte Figur war er in seinen Bewegungen heftig, etwas fahrig in seinen Äußerungen und unstet in seinem Betragen. Durch alles dies unterschied er sich […]

„Unter den Personen, welche sich Behrisch zu Zielscheiben seines Witzes erlesen hatte, stand gerade Clodius obenan; auch war es nicht schwer, ihm eine komische Seite abzugewinnen. Als eine kleine, etwas starke, gedrängte Figur war er in seinen Bewegungen heftig, etwas fahrig in seinen Äußerungen und unstet in seinem Betragen. Durch alles dies unterschied er sich von seinen Mitbürgern, die ihn jedoch, wegen seiner guten Eigenschaften und der schönen Hoffnungen, die er gab, recht gern gelten ließen…“.

Clodius als komische Figur, so Johann Wolfgang Goethe in seiner Autobiographie „Dichtung und Wahrheit“ (2. Buch/7. Abschnitt) über seinen ehemaligen Leipziger Lehrer Professor Christian August Clodius.


Der Leipziger Philosophieprofessor C. A. Clodius (1738-84), seit 1782 Professor der Dichtkunst, wurde von seinem Student Goethe im Gedicht auf den Kuchenbäcker Hendel verspottet wegen seiner „Manier, durch klangvolle Fremdwörter Ersatz für mythologische Namen zu finden“ (Goedeke)

Es folgte ein Studium in Leipzig von 1756 bis 1759 der Literatur und klassischen Altertumskunde, 1759 dann Promotion zum Magister Artium an der Universität Leipzig. Er lernte in Leipzig Christian Fürchtegott Gellert kennen, dessen Lieblingsschüler er wurde und der ihm durch seine Förderung die Universitätslaufbahn erleichterte, in der er bald zu angesehener Stellung gelangte: Mit 22 Jahren wurde er 1760 außerordentlicher sowie 1764 ordentlicher Professor der Philosophie, dessen Vorlesungen auch Goethe lauschte.
1764 war Goethe unter den Teilnehmern seines Praktikums an der Universität. Als er ihm ein Hochzeitsgedicht für seinen Oheim J. J. Textor vorlegte, nahm Clodius dies zum Anlaß, den Mißbrauch der antiken Mythologie scharf zu verurteilen. Schwülstige Formulierungen und zahlreiche Fremdwörter in den Dichtungen Clodius, brachten ihm den Spott der Studenten. Deshalb, wie Goethe schreibt, „versammelte (ich) in lustiger Stunde jene Kraft- und Machtworte in eine Ode an den Kuchenbäcker Hendel“.

Er schrieb das Gedicht mit Bleistift an die Wand.

„O Hendel, dessen Ruhm vom Süd zum Norden reicht,
Vernimm den Päan, der zu deinen Ohren steigt!
Du bäckst, was Gallier und Briten emsig suchen,
Mit schöpfrischem Genie, originelle Kuchen.
Des Kaffees Ozean, der sich vor dir ergießt,
Ist süßer als der Saft, der vom Hymettus fließt.
Dein Haus, ein Monument, wie wir den Künsten lohnen,
Umhangen mit Trophän, erzählt den Nationen:
Auch ohne Diadem fand Hendel hier sein Glück,

Und raubte dem Kothurn gar manch Achtgroschenstück.
Glänzt deine Urn dereinst in majestät’schem Pompe,
Dann weint der Patriot an deiner Katakombe.

Doch leb! dein Torus sei von edler Brut ein Nest,
Steh hoch wie der Olymp, wie der Parnassus fest!
Kein Phalanx Griechenlands mit römischen Ballisten
Vermög Germanien und Hendeln zu verwüsten.
Dein Wohl ist unser Stolz, dein Leiden unser Schmerz,
Und Hendels Tempel ist der Musensöhne Herz.“

Im berühmten Großen Kuchengarten östlich von Leipzig war der junge Goethe zu Gast. Goethe logierte als Student 1767 und 1768 im Sommer und zu Messezeiten in einer Bauernstube des Wirtschaftsgebäudes des Hahnemannschen Gutes, da er dann sein Stadtquartier in der Großen Feuerkugel am Neumarkt für den Besitzer räumen musste. Das Gut befand sich in der Dorfstraße 6 (seit 1842 Kohlgartenstraße 29, Ecke Konstantinstraße), welches später „Hahnemanns Gasthof“ hieß. Es lag direkt gegenüber dem Lokal des Kuchengartens (heute Kohlgartenstraße 18).

Seine Mutter Julie Friederike Henriette Clodius, Gemälde von Ernst Gottlob nach Anton Graff, 1769, Gleimhaus Halberstadt

Clodius heiratete 1771 die 18 jährige aus dem thüringischen Altenburg stammende Schrifstellerin Julie Friederike Henriette, geb. Stölzel (1750-1805). Ihr gemeinsamer Sohn wurde ein berühmter Dichter, studierte und lehrte an der Universität Leipzig,  und gab später die Werke seiner Mutter heraus.

Über Clodius als Rektor der Universität in: Neue Zeitungen von gelehrten Sachen … (hrsg. von Johann Gottlieb Krause.) Digitalisat

Auch nach der ersten Aufführung des „Medon“ (1768) von Clodius dichtete Goethe im Freundeskreis eine Harlekinade als frechen Prolog. Im Jahre 1778 habilitierte Clodius  zum Professor der Logik und Dichtkunst, 1782 Rektor der Alma mater  und Professor der Dichtkunst.  Seit 1782 war er ständiger Sekretär der Jablonskigesellschaft. (Übersicht der Lehrveranstaltungen an der Universität Leipzig 1814-1836

Das Privatarchiv von Christian August Clodius verwahrt das Universitätsarchiv Leipzig.

Werke (Auswahl):

  • Christian August Clodius neue vermischte Schriften. Sechster Theil. Nach des Verfassers Tode mit einer Nachricht von dessen Lebensumständen herausgegeben von Julie Clodius geb. Stölzel, Leipzig 1787.
  • Der Patriot. Vorspiel, Leipzig 1766.
  • Versuche aus der Literatur und Moral, 4 Bde., Leipzig 1767.
  • Medon oder Die Rache des Weißen. Schauspiel, Leipzig 1768.
  • Gedichte auf die Huldigung Seiner Durchlaucht des Churfürsten zu Sachsen, Leipzig 1769.
  • Neue vermischte Schriften, Leipzig 1780.