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Universitätsgeschichte

Der Student und die Himbeerlimonade

„Ein Student, der immer nur Himbeerlimonade trinke, sei überhaupt kein Student.“   Der Trinkspruch König August von Sachsens anläßlich des Festkommers in der Festhalle der Universität Leipzig  lautete: „Ein Student, der immer nur Himbeerlimonade trinke, sei überhaupt kein Student.“ Sauer aufgestossen sind diese Worte dem „Schweizer Enthaltsamkeitsapostel Dr. Forel“, der sich in einer Schweizer Zeitung […]

„Ein Student, der immer nur Himbeerlimonade trinke, sei überhaupt kein Student.“

 

Der Trinkspruch König August von Sachsens anläßlich des Festkommers in der Festhalle der Universität Leipzig  lautete: „Ein Student, der immer nur Himbeerlimonade trinke, sei überhaupt kein Student.“

Sauer aufgestossen sind diese Worte dem „Schweizer Enthaltsamkeitsapostel Dr. Forel“, der sich in einer Schweizer Zeitung fürchterlich darüber ausließ. Der Schweizer Psychiater, Hirnforscher, Entomologe, Philosoph und Sozialreformer Auguste-Henri Forel (1. September 1848 – 27. Juli 1931) war einer der wichtigsten Vertreter der Abstinenzbewegung in der Schweiz, er setzte sich für alkoholfreie Wirtshäuser in der Schweiz ein. Im Jahre 1872 wurde dem Ameisenforscher Forel der Schläfli-Preis der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft für sein Buch „Die Ameisen der Schweiz“. 1896 wurde er Ehrendoktor der Universität Zürich. Sein Konterfei zierte samt Ameisenhaufen eine Schweizer Banknote.

Der sächsische König kam aufgrund der von ihm vertretenen „verderblichen mittelalterlichen Sitten des deutschen Studententums“ sehr schlecht weg.

Deutsche Tageszeitung, Berlin. 1909. Pressedatenbank, Universitätsarchiv Leipzig.

Forels Schweizer Artikel wurde hierzulande scharf kritisiert und als urteilsunfähige Person deklariert. Die Kritik des Schweizer Abstinenzlers Forel war im Kontext der grossen Jubiläumsfeierlichkeiten der Leipziger Universität und des enormen Festaufgebotes wohl doch sehr kleinlich.