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Bedeutender Gelehrter und Germanist an der Universität | Georg Witkowski

  Georg Wittkowski, (geb. 11.09.1863 in Berlin, gest. 21.09.1939 in Amsterdam),  Literaturwissenschaftler. Er lehrte von 1896-1933 an der Universität Leipzig. „Geschichte des literarischen Lebens in Leipzig“ (Digitalisat). Als Jude wurde Witkowski 1933 entlassen. Er verstarb im Exil. Die Witkowskistraße befindet sich im Stadtteil Mockau-Nord. Von 1883 bis 1886 studierte Witkowski Klassische Philologie, Philosophie und Germanistik […]

Georg Wittkowski Universitätsarchiv Leipzig, N04971

 

Georg Wittkowski, (geb. 11.09.1863 in Berlin, gest. 21.09.1939 in Amsterdam),  Literaturwissenschaftler. Er lehrte von 1896-1933 an der Universität Leipzig. „Geschichte des literarischen Lebens in Leipzig“ (Digitalisat). Als Jude wurde Witkowski 1933 entlassen. Er verstarb im Exil. Die Witkowskistraße befindet sich im Stadtteil Mockau-Nord. Von 1883 bis 1886 studierte Witkowski Klassische Philologie, Philosophie und Germanistik an den Universitäten Leipzig und München.

Zwischen 1889 bis 1933 lehrte er an der Universität Leipzig, zunächst als Privatdozent, dann als außerordentlicher Professor und erst im letzten Jahr vor dem Ruhestand als Ordinarius. Als die Nazis dem Gelehrten jüdischer Herkunft 1933 das Recht entzogen, seine über die Emeritierung hinaus fortgeführten Lehrveranstaltungen weiter abzuhalten, floh er in die Niederlande. Er starb drei Wochen nach Kriegsausbruch. Ende April 1933 fordert ihn das Ministerium für Volksbildung auf, seine Lehrtätigkeit ruhenzulassen, da er „das nationale Empfinden der Hörer erheblich verletzt“ habe. Witkowski ist empört, er verweist auf seinen freiwilligen Kriegsdienst, auf erhaltene Auszeichnungen, auf die im Vorjahr vom Reichspräsidenten verliehene Goethe-Medaille. Doch gegen perfide Denunziationen ist nichts auszurichten. Witkowski darf nicht mehr lehren, nicht mehr in der Bibliothek arbeiten, nicht mehr publizieren, muss sich als „jüdischer Leichenfledderer“ beschimpfen lassen. Am 30. Oktober 1937 wird er für zwei Wochen von der Gestapo inhaftiert, verhört, gedemütigt. Aus dem Gefängnis schreibt er mit unglaublicher Noblesse an seine Töchter, ohne Wut, ohne Bitterkeit, allein, um sie zu beruhigen. In diesen zwei Wochen ordnet er seine Memoiren und schreibt sie nach der Entlassung nieder.Witkowski wendet sich lieber dem Barock zu, promoviert über den ersten deutschen Tasso- und Ariost-Übersetzer Diederich von dem Werder bei Michael Bernays, dem er eines der schönsten Porträts des Buches widmet. Zur Disputation wurden damals noch Thesen gedruckt und ausgehängt, der „Doctorandus“ fuhr – angetan mit Frack, Degen und Dreispitz – bei allen Professoren vor und lud sie persönlich zur Zeremonie, die dann höchst ritualisiert ablief. Mitbegründer der „Gesellschaft der Bibliophilen“ und der „Zeitschrift für Bücherfreunde“

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Witkowski, bei dem Georg Bondi und Erich Kästner promovierten, war ein großer Mittler zwischen Wissenschaft und Welt.